Baukultur beginnt bei der Ausbildungsverantwortung. Architekten bilden Bauzeichner aus

Architekt Christian Graf bildet seit Jahren Bauzeichner in seinem Büro aus. Katharina Matzig sprach mit ihm über seine Erfahrungen:

K. Matzig: Herr Graf, Sie sind Architekt und Energieberater, in Ihrem Büro in Landshut arbeiten momentan 10 Angestellte. Seit Jahren bilden Sie Bauzeichner aus. Warum?     C. Graf: Das stimmt, seit über 20 Jahren bilden wir aus – zum einen dürfen wir Architekten nämlich ausbilden, zum anderen hat man dadurch die Chance, sich seinen Mitarbeiter so auszubilden, dass er optimal in die Bürostruktur passt, um effizient Leistung für das Büro zu erbringen.

K. Matzig: Das klingt überzeugend – allerdings übersteigt seit Jahren die Nachfrage das Angebot an freien Stellen in Architekturbüros. Vielen Ihrer Kollegen scheint die Ausbildung eines Bauzeichners wohl wenig gewinnbringend. Was haben Sie denn für Erfahrungen gemacht?

C. Graf: Durchweg sehr positive, wirklich! Beide Seiten gewinnen, sowohl der Auszubildende als auch das Architekturbüro. Immer noch ist die Ausbildung eine sehr gute Grundlage für ein späteres Studium zum Architekten oder Bauingenieur. Und Architekten mit einer fundierten Ausbildung nehmen auch im internationalen Vergleich eine qualitätvolle Marktposition ein. Tatsächlich sind fast alle bei uns ausgebildeten Bauzeichner in weiterführende Berufe eingestiegen, ein Großteil hat im Anschluss studiert.

K. Matzig: Und was bringt Ihrem Büro die Ausbildung eines Bauzeichners?

C. Graf: Die Kosten für die angehenden Bauzeichner sind relativ gering. Und als ausbildender Betrieb ist man angesehen, das kann bei der Akquise kommunaler Aufträge durchaus von Vorteil sein. Junge Auszubildende sorgen zudem für eine lebendige Mitarbeiterstruktur in den Büros, als jüngstes Glied eines Büros ist der Azubi schließlich auch fast noch ein Generalist. Zwar könnten Schulen noch besser auf die Bedürfnisse der Büros eingehen, vor allem die Verwendung unterschiedlicher CAD-Systeme an den Schulen und in den Büros ist ein Problem – dabei können Azubis in der Regel sehr gut mit CAD umgehen. Auch sollten die Schulen das handwerkliche Talent der Jugendlichen weiter fördern und etwa den Modellbau mit in die Ausbildungsinhalte integrieren. Ansonsten jedoch ist der technische Ablauf der Prüfungen, sowohl im Büro als auch extern, wirklich gut handzuhaben.

K. Matzig: Sie werden also auch weiterhin ausbilden?

C. Graf: Selbstverständlich! Auch wenn ich glaube, dass es in Zukunft nicht leichter wird, qualifizierte Azubis für die Architekturbüros zu finden. Ich wünsche mir daher, dass mehr Büros sich an „Schnupperpraktika“ beteiligen, so dass der Beruf des Bauzeichners weiterhin seinen Platz in den Architekturbüros findet. Baukultur, da sind wir uns sicher, beginnt mit Ausbildungskultur!

K. Matzig: Herzlichen Dank

Christian Graf,

Architekt DWB, Landshut

Ausbildung zum Bauzeichner

Der Ausbildungsberuf Bauzeichner/Bauzeichnerin wird staatlich anerkannt. Während der dreijährigen Berufsausbildung werden mindestens folgenden Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt:

1. Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht

2. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs

3. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit

4. Umweltschutz

5. Organisation und Kommunikation, Arbeitsabläufe

6. Zusammenarbeit mit Behörden und anderen am Bau Beteiligten

7. Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken

8. Techniken des Zeichnens

9. Auswahl und Verwendung von Baustoffen und Bauelementen

10. Mitwirken bei Bauprozessen und Durchführen von Bauarbeiten

11. Bestandsaufnahme und Vermessung

12. Rechnergestütztes Zeichnen

13. Konstruieren von Bauteilen

14. Qualitätssichernde Maßnahmen, Kundenorientierung

15. Erstellen von Plänen und Zeichnungen, fachspezifische Berechnungen

Näheres regelt der Ausbildungsrahmenplan

Recht: Verordnung über die Berufsausbildung zum Bauzeichner/zur Bauzeichnerin

zuständig: Handwerkskammern

Ausbilder: u.a. Architekten

01.10.2010 von: dwbadmin
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