Serielle Ordnungen und langlebige Gestaltungen

Zum Tod von Karl Duschek

„Die Basis besteht aus Quadraten. Füllen Sie die Felder aus.“ Diese Aufforderung des schweizerischen konstruktiven Künstlers Richard Paul Lohse hat Karl Duschek des Öfteren zitiert, um die Art seiner eigenen künstlerischen Arbeit anzudeuten, und manchmal fügte er noch hinzu, er sei ja wie die meisten Menschen faul, also komme ihm ein serieller Ansatz für Kunst und Gestaltung sehr entgegen. Zumindest die zweite Aussage hält einer Überprüfung nicht stand, denn Karl Duschek, der am ersten November 2011 in Stuttgart gestorben ist, hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk im freien wie im angewandten Bereich der Gestaltung.

Geboren wurde Karl Duschek am 14, März 1947 in Braunschweig, wo er zunächst das Handwerk des Lithografen erlernte. 1967 begann er an der dortigen Staatlichen Hochschule für Bildende Künste ein Grafik Design Studium, das er, vom Wehrdienst und Arbeitsaufenthalten beim renommierten Lithografie-Atelier Pro Litho in Lausanne unterbrochen, 1972 abschloß, um im gleichen Jahr eine Anstellung im Atelier Anton Stankowskis zu finden. Diese Anstellung sollte sein Leben zumindest in beruflicher Hinsicht bestimmen, nahm das Atelier zu dieser Zeit doch gerade am Wettbewerb für das neue Corporate Design der Deutschen Bank teil. Anton Stankowskis bis heute verwendetes Logo gewann, und Duschek stieg über die Arbeit am Manual für das Firmengesicht schnell zum Partner Stankowskis auf. Doch war dies keine Karriere im üblichen Sinn, sondern viel mehr, eine Freundschaft mit vollstem Vertrauen, in der Stankowski 1975 die Leitung des grafischen Ateliers an Duschek übergab, der seinerseits dafür sorgte, das Stankowski sich nunmehr mit fast siebzig Jahren verstärkt der freien Gestaltung, der Kunst widmen konnte, aber natürlich in die großen Projekte des Ateliers eingebunden blieb. Und manchmal schien es, als würde Duschek seine eigene Arbeit zurückstellen, um Stankowski zu helfen, ein Engagement, das Duschek bis zuletzt beibehielt, indem er große Ausstellungen initiierte und prägte, zuletzt die große Stankowski-Retrospektive 2006 u. a. in Stuttgart und Zürich und die Ausstellung über den Freundeskreis um Stankowski, die 2010 in Gelsenkirchen, Wiesbaden und Göppingen zu sehen war.

Hierin war Duschek ein idealer zweiter Mann, und er war doch viel mehr. Denn er schuf zahlreiche bedeutende Firmengesichter, verweigerte sich Moden, um so für die Gestaltung in Deutschland zu einer Instanz für das zu werden, was man vielleicht mit dem Begriff der Kontinuität benennen könnte: Duschek stand für langlebiges Design. Als Herausgeber des Handbuches „Visuelle Kommunikation“ hat er Grundlagen geschaffen, die bis heute zum Standard des Hochschulunterrichts im deutschsprachigen Bereich gehören, wobei unverständlich bleibt, dass sich die deutschen Gestaltungsfakultäten nicht um Duschek als dauerhaft Lehrenden bemühten. Als Zeitschriftengestalter der „eins und …“, „zwei und …“-Reihe bewies er seine Liebe zum Gedruckten mit all den vielfältigen Möglichkeiten, als Künstler schließlich war das Tafelbild für ihn nur eine Möglichkeit, die vor allem durch sparsame, aber akzentuierende Raumgestaltungen bedeutende Erweiterung fand. Bewundernswert bleibt auch, wie er gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht ignorierte, sondern mit ihnen zu leben verstand. Der Werkbund verdankt ihm, der Lohse, Morellet und viele andere Künstler zu seinen Freunden zählte und gerade in jüngster Zeit sich noch sehr für das Werk von Friedrich Vordemberge-Gildewart engagierte, viel, und so soll am Schluß dieses Nachrufes nur stehen: Danke für alles, Karl Duschek.

Jörg Stürzebecher/Ursula Wenzel DWB

28.11.2011 von: dwbadmin
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