In memoriam Johann Peter Lüth

In memoriam Johann Peter Lüth

Am 31. Juli 2014 verstarb Johann Peter Lüth, Architekt, Baudirektor beim Stadtverband und Landeskonservator. Viele Jahrzehnte war er Mitglied im Deutschen Werkbund Saarland, von 1991 bis 1998 der Vorsitzende. 1937 in Stargard/Pommern geboren und in einem gebildeten, literarisch überaus interessierten Elternhaus in Bad Nenndorf aufgewachsen, studierte Lüth in Berlin und Hannover Architektur. Eine saarländische Kommilitonin wurde seine Ehefrau und beide zogen nach St. Ingbert, wo er sich mit einem Architekturbüro niederließ. Es folgten zehn spannende Jahre freiberuflicher Tätigkeit. Lüth baute auf die Bedürfnisse der Bauherrn zugeschnittene,  sensibel in das Umfeld integrierte Häuser, vorwiegend Wohnbauten. Es sind raumplastische Gebilde in der Formensprache und im Material der Moderne. Sie verdienten seinen Stolz, auch noch nach vielen Jahren.

Das Angebot, der neu geschaffenen Bauabteilung beim Stadtverband Saarbrücken vorzustehen, war für ihn eine reizvolle Herausforderung.   Als Bau- direktor verantwortete er den Neubau des großen Berufsbildungszentrum Brebach-Fechingen.  Die  Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr und Künstler schon zu Beginn der Planungsphase war ungewohnt und neu. Prägend für diese Zeit ist jedoch der Wiederaufbau des  Saarbrücker Schlosses.  Die Auseinandersetzungen dabei beirrten ihn nicht. Er kämpfte für ein modernes Bürgerschloss mit dem gläsernen Mittelpavillon von Gottfried Böhm und setzte dessen Entwurf durch, der die bundesweite Aufmerksamkeit fand und die Diskussion um Rekonstruktion oder Neubau in neue Bahnen lenkte.

Als Landeskonservator von 1985 bis zu seiner Pensionierung 2002 nahm er sich der aus der Nutzung gefallenen Industrieanlagen und Arbeitersiedlungen an, einer Aufgabe, die zusehends wichtiger wurde. Die Publikation „Denkmäler saarländischer Industriekultur“ widmete sich diesen Anlagen. Aus der Sorge um sie erwuchs seine zweite, für das Land so wichtige Tat. Es gelang ihm, das erste Industriedenkmal in die Weltkulturerbe-Liste einzutragen: die Völklinger Hütte. Beteiligt war er auch bei der Umwandlung einer barocken Arbeitersiedlung, der alten Schmelz in St. Ingbert  in eine Wohnungsbaugenossenschaft. Dabei vernachlässigte er die älteren Denkmale keineswegs: wie den Alten Turm in Mettlach oder die Schinkelkirche in Bischmisheim. Unter seiner Ägide erhielten erstmals auch Nachkriegsbauten den Denkmalschutz. Da es Lüth immer vorrangig um das Denkmal ging, scheute er auch keine Auseinandersetzung mit den Eigentümern. Wichtig war ihm die Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalrat. Sie gründete auf gegenseitigem Respekt und, für ihn selbstverständlich, gegenseitiger Information. Das Saarland hat „einen großen Denkmalschützer verloren“, so Minister Ulrich Commerçon. Wir haben dazu auch noch  einen Freund verloren.

Johann Peter Lüth war nie ein einfaches Mitglied  im Werkbund, auch ohne offizielle Funktion war er immer präsent, auch noch während der Jahre seiner Krankheit. Wir erlebten ihn als Menschenfänger, als hartnäckigen Diskutierer, als bedingungslosen Streiter für die Qualität von Architektur und Städtebau, als Ideengeber vieler unserer Projekte, die durchzusetzen er uns antrieb, aber auch durch immer erneutes Nachdenken verzögerte. Nahm er an unseren monatlichen Treffen teil, waren sie anstrengend, manchmal auch ärgerlich, endeten spät, immer aber waren sie anregend.

Groß und für uns überaus nützlich war sein Talent, in einem Netzwerk von Bekanntschaften und Beziehungen den richtigen Ansprechpartner zu finden. Johann Peter Lüth organisierte am Telefon. Nur so konnten wir innerhalb kürzester Zeit eine Gottfried Böhm – Geburtstagsausstellung im Historischen Museum veranstalten oder die Wüstenrot-Stiftung für die Villa Obenauer interessieren,- leider vergebens

Vergebens waren auch die gemeinsamen Bemühungen und Anstrengungen um die Bergwerksdirektion. Unseren Einsatz für den Pingusson-Bau konnte er anfangs noch begleiten,  bei der Ausstellungseröffnung sahen wir ihn zum letzten Mal. Wir werden in seinem Sinne weitermachen, aber er wird uns fehlen.

Zu seinem Vermächtnis  wurde jetzt unsere Publikation anlässlich seines 75. Geburtstages.

Interview Architektur. Marlen Dittmann im Gespräch mit Johann Peter Lüth. Hrsg, Deutscher Werkbund Saar und Institut für aktuelle Kunst, Saarbrücken 2012.

15.08.2014 von: dwbadmin
Erstellt unter dwb saarland
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Kommentare

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für den Nachruf zum traurigen Verlust meines Schwiegervaters.

    Mir ist lediglich ein Formfehler im letzten Absatz aufgefallen, auf den ich Sie freundlich aufmerksam machen möchte.

    ” Zu seinem Vermächtnis wurde jetzt unsere Publikation anlässlich seines 75.Geburtstages. ”

    Mit freundlichen Grüßen aus Düsseldorf,

    Lars Fischbach/ Charlotte Lüth


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